Freitag, 29. April 2011

Sommersonne

Wir sitzen auf dem Balkon und trinken unsere zweite Flasche Club-Mate. Die Sonne scheint und der freie Freitag vor dem Wochenende lädt zum Verweilen ein. Freier Freitag? Wie kann das sein? Hätten wir an unseren ganzen freien Tagen nicht schon längst mehr Blogeinträge verfassen können? Dazu können wir nur sagen: Nö.
Also was kann es Schöneres geben als in der Sonne zu sitzen, einen eiskalten Club-Mate zu genießen, kleine Stöcke vom Balkon zu werfen und mit Blumen zu reden? Genau! Sich über die Welt zu ärgern.

1. Mitläufer

Gerade den Bahnhof betreten, stehst Du am Gleis und wartest auf die Einfahrt des Zuges, der Dich an Dein Ziel bringen soll. Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen kühlt die Reisenden. Friedlicher könnte die Welt kaum sein. Nicht einmal die Ansage, die Dich über die Ankunft Deines Zuges informiert, kann Dich Deinen Tagträumen entreißen.
Der Zug fährt ein.

WUMMS!
Hö?
WUMMS!

Deine Tagträume zerplatzen. Was? Wie bitte? Was passiert hier? Immer wieder scheint irgendetwas an Deiner linken Seite anzubranden. Du blickst Dich um und stellst erstaunt fest, dass nahezu jeder Wartende begonnen hat, sich in Fahrtrichtung des Zuges zu bewegen. Scheinbar willenlos, wie von Schnüren gezogen, wandern sie neben dem einfahrenden Zug das Gleis entlang.

Groll zieht auf:
Ja wie sackdoof sind eigentlich diese Menschen!? Der Zug fährt doch gerade erst ein und nicht ab! Und selbst wenn dem so wäre, sie müssten schon sehr schnell rennen. Denken die denn, dass sie dadurch eher vor einer Tür stehen um so einen wertvollen Fensterplatz zu ergattern? Man müsste schon direkt neben einer Tür herrennen, um sicher zu gehen, letztendlich der Erste am Einstieg zu sein. Also warum machen die das? Direkte Anfragen bleiben ungehört. Jeder scheint sich ausschließlich auf seine nach vorne gestreckten Arme zu konzentrieren. Allenfalls unverständliches Gemurmel ist den Mitläufern abzuringen:
„Muss...Tür...erreichen...Zug...darf...nicht...vorbeifahren...“


Was auch übelst ätzend ist:

2. Respektkinder

Man findet sie vorzugsweise auf den Spielplätzen der Großwohnsiedlungen. Zwischen Hauptstraße und Wäscheplatz stehen Jennifer (14), Dennis (15) und Mahmuth (14) im Sand und debattieren über die letzte Folge des literarischen Quartetts.
Spaß beiseite. Sie rauchen.
Sie ärgern sich über ihren vergangenen Schultag. Aus heiterem Himmel und vollkommen unberechtigt wurde Dennis' Handy von einer Lehrkraft eingezogen.

„Digga, die hat mir Handy abgezogen, nur weilsch Foto gemacht hab!“

Dennis hatte natürlich nicht ein Foto, sondern ein Video davon gemacht, wie Mahmuth sein selbst geschriebenes Sprechgesangsstück vor der Klasse uraufführt. Es handelte von der Lehrkraft und … na man kann es sich schon denken.

„Ey un meine Mudda will nisch, dass isch morgen mit zum Saufen geh!“

Dabei hat Jennifers Mutter gute Gründe, ihrer Tochter den Ausgang zu verwehren. Das letzte Mal durfte sie ihre alkoholvergiftete Jennifer aus dem Krankenhaus abholen. Anscheinend ist es nicht nur bei den versprochenen 3 Gläsern Bier geblieben.

„Die ham alle überhaupt kein Respekt!“

Groll zieht auf:
Wie soll man sie denn respektieren? Und wofür eigentlich? Für den Zigarettendiebstahl bei der Mutter? Für den Speichelsee vor der Parkbank? Für das „halt deine dumme Fresse, du fette Schlampe“? Dabei ist es doch ganz einfach: wer Respekt bekommen möchte, muss sich respektvoll verhalten.


Was auch übelst ätzend ist:

3. Senfgeber

Ah, ein neuer Tag bricht an. Was ist wohl in der Welt passiert, während man schlief? Längst ist das Internet zu einem der wichtigsten Nachrichteninformanten geworden. Deswegen schnell den Laptop angeschaltet und bei Spiegel- oder Welt-Online einen Überblick gewinnen:
Aktivisten haben einen Fischtransporter überfallen und auf der A5 tausende Lachse in die Freiheit entlassen. Die Bundesregierung vermutet Opposition im Parlament. Silvia Berlustcona besucht mehrere Mädcheninternate, nachdem sie neue Ministerpräsidentin Italiens geworden ist.

Ein Thema, das nicht an Aktualität verliert, ist der Terrorismus. Diskussionen finden natürlich nicht nur beim BND, sondern auch in Onlineforen statt. Jeder kann seinen eigenen Senf dazugeben:

Leser_88 schreibt:

Multi Kulti für alle:-)
Jetzt baden wir die scheiss gutmenschen politik aus:-)
Das ist nur der Anfang!
Islam und Frieden ha ha ha

Superjanny schreibt:

@Leser_88:
Was ist das für ein armer Blödsinn?

Leser_88 schreibt:

Blödsinn genau dann lass doch deine Kinder von denn Muftis wegbomben, hohle Pfanne, ihr grünen und linken macht doch alles kaput!

Groll zieht auf:
Dieser kurze Dialog ist wieder ein leuchtendes Beispiel fehlender Argumentation. Halbgare Aussagen mal schnell auf die Tastatur gespuckt. Phrasen statt Fakten. Lamentieren statt argumentieren. Glauben statt Wissen. Viel zu schnell begeben sich die User auf Kriegsfuß mit der Sachlichkeit. Es wird geschimpft und beleidigt, dass sich die WLAN-Kabel biegen. Nur die eigene Meinung ist richtig! Zuhören? Nein danke!


Was aber richtig ätzend ist:

4. Menschen, die sich über jede Kleinigkeit ärgern

...

Mittwoch, 20. April 2011

Stagnation.

Warum bewegen wir uns nicht und warum schreiben wir keine neue Beiträge? Ist das Hartz um uns etwa langsam erstarrt?

Wer hat Ideen wie wir uns entstagnieren können? Die beste Idee gewinnt!

Montag, 4. April 2011

f(hartz) = leben² - arbeit³

Wie in der spitzenmäßigen Ankündigung versprochen, waren wir nicht untätig und präsentieren jetzt das Ergebnis. Im Handumdrehen haben wir uns das gesamte Gebiet der Mathematik erschlossen und konnten daraufhin unsere Daseinsqualität des letzten Jahres berechnen.



[x = 1; m = 0,51] Wir schreiben unsere Masterthese. Das ist ein ganzes Stück Arbeit! Wir strengen uns sehr an. Doch der Lohn der Arbeit winkt.

[x = 2; m = 0,00] Noch etwas verschwitzt stehen wir vor dem Publikum. Die Masterthese ist präsentiert und abgegeben. Ein Jahr Arbeit erfährt ihren Höhepunkt. Heureka!

[x = 3; m = -0,42] Mit den letzten Leiden des Einkasttages verfliegt auch langsam die Euphorie bezüglich des eigenen Erfolges. Wir merken, dass der Halt, den das Studium gab, anfängt zu bröckeln. Was sollen wir tun? Womit können wir uns beschäftigen? Etwas Neues muss her! Ein Praktikum - welch hervorragende Idee! Doch leider lässt auch das auf sich warten.

[x = 4; m = 0,00] Nach erster postgraduierter Anstrengung stellt sich erste Langeweile ein. Irgendwie haben wir es uns einfacher vorgestellt. Ernüchterung.

[x = 5; m = 0,53] E-Mails beenden unsere aufkeimende Lethargie. Beschäftigungsverhältnis! Wenn auch nur befristet und für kleines bzw. gar kein Geld. Aber immerhin. Es geht vorwärts. Das Leben nimmt endlich wieder Fahrt auf und wir sind mit dabei.

[x = 6; m = 0,00] Das Leben verläuft in geordneten Bahnen. Wir sind beschäftig. Wir lernen. Ein bescheidener Wohlstand stellt sich ein. Wir haben Spaß (wenn auch nur am Wochenende). So könnte es eigentlich weitergehen.

[x = 7; m = -0,60] Der Abstieg beginnt schleichend. In den ersten 2 Wochen bemerken wir kaum, auf welchen Pfad wir uns begeben haben. Die Hoffnung auf baldige Beschäftigung ist noch frisch, schließlich sind wir jung, akademisch und gutaussehend. Doch mit der Zeit zeigt die Erosion Wirkung. Die Tage werden nicht nur länger, nein, sie scheinen gar nicht mehr zu enden.

Wir entschließen uns, einen Blog zu schreiben um uns zu beschäftigen und so den Abstieg nicht zu rasant werden zu lassen.

[x = 10; m = 1,54] Ob wir uns schon hier befinden, rechnen wir in den nächsten Tagen aus.

Freitag, 1. April 2011

Spitzenmäßige Ankündigung

Aufgemerkt!

Bald. Sehr bald wird hier wieder etwas Fantastisches zu sehen sein!

Nur Geduld!